Bild des Monats - Heiligenkirchen

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Bild des Monats

Bild des Monats – Dezember 2022

Die älteren Heiligenkirchener werden sich an dieses Gebäude noch erinnern: das alte  Pfarrhaus. Es war 1872/73 nach einem Entwurf von Ferdinand Merckel errichtet worden, als  spätklassizistischer zweigeschossiger Bruchsteinbau (aus dem örtlichen Muschelkalk) mit Satteldach. Das Haus steht mit der Breitseite zur Straße und hat fünf Fensterachsen. Ein  Mittelrisalit mit flachem Giebel und Drillingsfenstern springt leicht vor. Der Eingang lag nicht,  wie man bei einem klassizistischen Bauwerk vermuten würde, in der Mitte der Fassade,  sondern an der linken, zur Kirche weisenden Giebelseite. Hier war ein Stall angebaut.  Merckels Kostenanschlag belief sich auf 6.500 Reichstaler.  Der Vorgänger dieses Pfarrhauses stand an der Kirchhofmauer, dort wo heute der Parkplatz  für die Kirchgänger angelegt ist, am Hauptzugang zum Kirchhof. Es war ein Fachwerk-Querdielenhaus mit Wohnteil im Westen und Ställen für drei Kühe, drei Schweine und  Federvieh sowie zwei Aborten im Osten. Bei einer Plünderung im Dreißigjährigen Krieg  brannte es 1634 ab und wurde mittels einer Kollekte wieder aufgebaut. 1710 soll es so  baufällig gewesen sein, dass die Gemeinde einen Neubau wünschte. Dazu kam es nicht. 1743  und 1755 waren erneut Reparaturen fällig. 1860 wurde das Pfarrhaus endlich nach Merckels Plänen modernisiert. Doch ein Jahrzehnt später, am 4. September 1871 brannte es mit weiteren Häusern ab, weil Kinder beim Spielen mit Streichhölzern die Scheune des nahe  gelegenen Hofs Klöpping in Brand gesetzt hatten. Von dort hatte sich das Feuer ausgebreitet. Das 1873 bezogene Pfarrhaus hatte genau ein Jahrhundert Bestand. Nachdem 1972 hinter  diesem das jetzige Pfarrhaus nach Entwurf des Heiligenkirchener Architekten Werner  Beining fertiggestellt worden war, wurde das alte Pfarrhaus 1973 abgebrochen und mit dem Neubau des modernen Gemeindezentrums begonnen. Damals war man überzeugt: »Der  moderne Bau dürfte sich gut in das Zentrum des alten Ortskerns einfügen.«

Joachim Kleinmanns
        
                        
       
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